Aufs richtige Pferd setzen

Der Bankier Nathan Mayer Rothschild, Begründer des englischen Zweigs der berühmten Familie, demonstrierte 1815 nachdrücklich, was schnelle Information zu leisten vermag. Bereits 24 Stunden nach der entscheidenden Schlacht von Waterloo hatten ihm seine Kuriere via Pferde-Stafette die Nachricht von Napoleons Niederlage übermittelt. Während sich die englischen Börsenmakler noch an Gerüchten orientierten, die ein Fiasko ihres Herzogs von Wellington und seiner preußischen Verbündeten prophezeiten, und deshalb panisch verkauften, erstand Rothschild alles, was zu Schleuderpreisen auf den Markt geworfen wurde. Seine ausgefeilte und gut organisierte Infrastruktur hatte ihm einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschafft. 

 

Informationen und Wissen sind für Unternehmen wichtige Ressourcen geblieben. An die Stelle von Rothschilds Pferde-Stafetten sind natürlich längst moderne elektronische Systeme getreten. Ausgefeilte Online-Rechercheservices, ausgeklügelte Softwarearchitekturen und feingranulare Internetlösungen verarbeiten, speichern und übertragen Informationen. Und mittendrin: der „Chief Information Officer“. An ihm ist es, Ordnung in die Informationsflut zu bringen, relevante Informationen innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu identifizieren, sie zu strukturieren und sie je nach Zielgruppe unterschiedlich aufzubereiten. Aus dem ehemaligen IT-Techniker und Verwalter ist in den vergangenen Jahren ein „Macher“ geworden, der Potenziale zur Erreichung der Unternehmensziele hebt. Als Konsequenz aus dieser zunehmend strategischen Bedeutung haben viele Unternehmen ihren Vorstand zu Recht um die Position des CIO erweitert. Neue Geschäftskonzepte und Betreibermodelle werden zukünftig neue Anforderungen an das Informationsmanagement stellen und das Aufgabenfeld des CIO erweitern.

 

Während also der CIO verstärkt in den Blickpunkt tritt, verrichten eingebettete Systeme ihren Dienst logischerweise weitestgehend unsichtbar für den Benutzer. Gleichwohl wird „Embedded IT“ immer entscheidender für die Konkurrenzfähigkeit von Produkten und bietet hohe Synergiepotenziale durch den Austausch mit anderen Branchen. Ob in der Automation von industriellen Anlagen, der ABS- und Airbag-Steuerung im Auto, in Mobiltelefonen, in Herzschrittmachern oder Magnetresonanztomographen – sie alle werden maßgeblich durch eingebettete Soft- und Hardware gesteuert. Es steht also außer Frage, dass Embedded IT eine Schlüsseltechnologie ist, deren öffentliche Wahrnehmung aber erhöht werden muss. Diese IM trägt ein Stück dazu bei.

 

Herzlichst, Ihr

August-Wilhelm Scheer